Was genau ist Gleichgewicht?
Gleichgewicht wird durch eine komplexe Reihe von sensomotorischen Kontrollsystemen erlangt und erhalten. Zu diesen Systemen gehören der sensorische Input der Augen
(Das Sehen), die Propriozeption (das Fühlen/ Wahrnehmen) und das vestibuläre System (Bewegung, Gleichgewicht, räumliche Orientierung). Die Integration dieser sensorischen Inputs und der
motorischen Outputs der Augen und der Körpermuskulatur erhalten das Gleichgewicht. Eine Verletzung, Erkrankung oder der Altersprozess kann eine oder mehrere dieser Komponenten
beeinträchtigen.
Wenn eines oder mehrer dieser drei Komponenten: Augen, Propriozeption und das vestibuläre System pathologisch verändert ist, kommt es häufig zu sog.
Schwindel.
Was sind mögliche Symptome einer vestibulären Störung?
Schwindel und Benommenheit
- Es kann zu einen Drehschwindel kommen (das Gefühl, die Welt oder man sich dreht sich um sich )
- Benommenheit (ein schwebendes oder schwankendes Gefühl)
- Schwankschwindel (das Gefühl als wäre man schwergewichtig, als würde man zur einer Richtung gezogen, das Gefühl als wäre man an oder betrunken )
Gleichgewicht und räumliche Orientierung
- Stolpern, Schwierigkeiten um die Ecke zu laufen oder gerade zu laufen
- Koordinationsschwierigkeiten, beim Laufen dauerhaft nach unten schauen, den Kopf schräg halten, das Bedürfnis haben, sich im Stehen an etwas festzuhalten
- Schwierigkeiten im freien Räumen/ Plätzen und engen Räumen zu laufen etc.
Visuell
- Schwierigkeit Objekte zu fixieren oder zu verfolgen
- belebte, visuelle Umwelt (Verkehr, Einkaufgeschäft, Menschenmenge) werden als unangenehm empfunden
- Empfindlichkeit gegenüber Licht, bewegende oder flackernde Lichter, Nachtblindheit
Auditiv
- Hörverlust
- Tinnitus
- Empfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen
Kognitiv
- Schwierigkeit sich zu konzentrieren
- Vergesslichkeit, Desorientierung
- Schwierigkeit bei lauten Hintergrundgeräuschen dem Gesprächspartner zu folgen
Psychologisch
- Verlust der Selbstständigkeit, Selbstbewusstseins, Selbstwertgefühl
- Panik, Angst
- soziale Isolation
- Depression
Wie läuft eine Befunderhebung/ Anamnese ab?
Anamnesegespräch:
- Art, Dauer und Frequenz des Schwindels
- Verlauf der Erkrankung/ Symptome
- Vorhandensein von weitere Erkrankungen etc.
Befundinstrumente:
- Dix-Hallpike-Lagerungsprobe, Supine-Roll-Test
- Kalorische Prüfung
- Kopf-Impuls-Test, Dynamic Visual Acuity Test, Clinical Test for Sensory Interaction in Balance, Funktional Gait Assessment
- Beurteilung von Koordination & Diadochokinese
- Beurteilung von Okulomotorik
Fragebögen:
- Dizziness Handicap Inventory, Activities-specific Calance Confidence Scale
Wie verläuft die Behandlung / Therapie ?
Bei BPLS (Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel) je nach Ursache:
- Epley Manöver, Gufoni Manöver, Kim Manöver, Yacovino Manöver.
Hierbei werden Otolithen an ihren Ursprungsort im Innenraum durch spezielle Lagerung des Patienten gebracht.
Bei vestibulärer Hypofunktion ( Neuritis Vestibularis/ Labyrinthitis, Neurofibromatose, Trauma z.b.: Felsenbeinfraktur, Morbus Menière) wird eine Vestibuläre
Rehabilitation (VRT) durchgeführt.
Die VRT benutzt spezifische Kopf-, Körper-, Augenübungen, die das Gehirn „umtrainieren“. Hierdurch kann das Gehirn Signale vom vestibulären System erkennen/ verarbeiten und diese
mit den Informtationen von den Augen und der Propriozeption koordinieren. Die VRT wird individuel an den Patienten angepasst.
Die VRT beinhaltet folgende Übungen:
- Übungen zur Verbesserung der Augen-Kopf-Koordination,
- Übungen zur Verbesserung der Blickstabilisation,
- Gleichgewichtsübungen mit geschlossenen Augen,
- Gehübungen mit Körper-& Kopfbewegungen,
-
Habituationsübungen (Überempfindlichkeit des Nervensystems zu desensibilisieren durch kontrollierte, wiederholte Exposition gegenüber dem Reiz)
Wirkungsmechanismus der vestibulären Rehablitation:
- Zelluläre Wiederherstellung (Use it oder lose it)
- Plastizität des Gehirnes und Formung von internen Modellen (Stimulation des vestibulären Systems)
- Habitualion (Gewöhnung an zuvor schwindelauslösenende Reize/ Situationen)