Sprachentwicklungsstörungen:
Sprachentwicklungsstörungen (SES) sind Störungen der Sprache, die während der Entwicklung des Kindes auftreten und bis ins Jugend- und Erwachsenenalter bestehen können. Sie betreffen das Sprachverständnis, den Lauterwerb, den Wortschatz, die Grammatik, das Textverständnis, die Textproduktion und die Kommunikation (Pragmatik). Eltern fällt häufig auf, dass ihre Kinder undeutlich, unverständlich oder wenig sprechen.
Beispiele:
Störungen des Lauterwerbs
Störungen des Wortschatzes
Störungen der Grammatik
Artikulation
Artikulation bezeichnet in der Logopädie die korrekte Bildung und Aussprache von Lauten, wobei bei Störungen (z. B. Sigmatismus, also "Lispeln") einzelne Laute fehlerhaft gebildet oder ersetzt werden.
Beispiel:
Max ist im letzten Kindergartenjahr und vertauscht häufig Buchstaben während des Sprechens: „Is tomme bald in die Sule!“
______________________________________________________
Late Talker
Late Talker bezeichnet in der Logopädie Kleinkinder mit verzögerter Sprachentwicklung, die trotz sonst unauffälliger Entwicklung deutlich weniger oder später Wörter sprechen als Gleichaltrige.
Beispiel:
Franziska ist drei Jahre alt, und ist sowohl im Kindergarten als auch Zuhause sehr zurückhaltend, spricht nur einzelne Worte und Zwei-Wort-Sätze. Oft versteht Sie nicht was ihre Mutter oder die Erzieherinnen von ihr möchten.
______________________________________________________
Myofunktionelle Störungen (MFS)
Eine myofunktionelle Störung (MFS) ist ein Ungleichgewicht der Muskelspannung (Dysbalance) im Mund- und Gesichtsbereich, das zu Fehlfunktionen führt . Typische Beispiele sind habituelle Mundatmung, eine falsche Zungenruhelage, ein fehlerhaftes Schluckmuster (Zungenpressen gegen die Zähne), ein "lispelnder" Lautbildung (Sigmatismus) sowie eine ständig offene Mundhaltung, oft begleitet von einer schlaffen Lippen- und Zungenmuskulatur. Diese Störungen können Auswirkungen auf die Zahn- und Kieferentwicklung sowie auf die Aussprache haben.
In der logopädischen Therapie wird gezielt an der Muskelspannung und -koordination gearbeitet. Ziel ist es, die natürlichen Bewegungsabläufe wiederherzustellen – für eine gesunde Entwicklung und ein besseres Sprechvermögen.
______________________________________________________
Redeflussstörungen:
Redeflussstörungen sind Sprechstörungen, die den zeitlichen Ablauf und die Flüssigkeit des Sprechens beeinträchtigen . Sie äußern sich durch Wiederholungen von Lauten/Silben, Dehnungen, Blockaden (Stottern) oder ein zu schnelles, unrythmisches Sprechtempo (Poltern) . Die Artikulation und das Sprachverständnis sind meist intakt, aber der Redefluss ist unterbrochen
Stottern
Stottern ist in der Logopädie eine Redeflussstörung, bei der es durch Wiederholungen, Dehnungen oder Blockaden von Lauten und Silben zu Unterbrechungen im Sprechablauf kommt.
Beispiele:
"Immer wenn Ole etwas Schwieriges machen soll oder er in der Schule aufgerufen wird fängt er an zu stottern."
Poltern
Poltern kennzeichnet sich durch ein überhastetes, unrhythmisches Sprechtempo und eine undeutliche Artikulation. Betroffene verschlucken Laute oder Silben, verschmelzen Wörter und wiederholen Satzteile. Es wird oft als zu schnelles, überschlagenes Sprechen oder „Nuscheln“ wahrgenommen und kann mit aufmerksamkeitsbedingten Schwächen einhergehen.
Beispiele:
______________________________________________________
Hörstörungen:
Eine Hörstörung in der Logopädie bezeichnet die Beeinträchtigung der Hörfähigkeit (Schwerhörigkeit bis Gehörlosigkeit), die zu Störungen des Spracherwerbs, der Sprachentwicklung und des Sprechens führt. Sie umfasst Schallleitungs- sowie Schallempfindungsstörungen, die oft undeutliches Sprechen, Dysgrammatismus und Wortschatzdefizite verursachen.
Auswirkungen: Betroffen sind oft die Aussprache (undeutlich, verwaschen), die Sprechmelodie (monoton) und die Lautstärke.
Hörschädigung vs. AVWS: Neben der klassischen Schwerhörigkeit behandelt die Logopädie auch auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS), bei denen das Ohr hört, aber das Gehirn die Reize nicht korrekt verarbeitet.
______________________________________________________
Autismus - kurz erklärt
Autismus ist eine neurologische Entwicklungsbesonderheit, bei der Menschen die Welt anders wahrnehmen und oft Unterschiede in Kommunikation, sozialen Interaktionen und Verhalten zeigen.
Typische Anzeichen bei autistischen Kindern können zum Beispiel sein:
Diese Anzeichen können sich teilweise mit denen von ADHS überschneiden, zum Beispiel bei Konzentrationsproblemen oder ungewöhnlichem Verhalten.
Wichtig: Nicht jedes Kind zeigt alle Anzeichen, und sie können unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Beispiel Autismus:
Der 6-jährige Leon geht in die Grundschule. Im Unterricht fällt auf, dass er kaum Blickkontakt hält und selten mit anderen Kindern spricht. In den Pausen spielt er meist allein und beschäftigt sich lange mit dem gleichen Thema, zum Beispiel Zügen, über die er sehr viel weiß.
Leon reagiert empfindlich auf laute Geräusche – wenn es in der Klasse zu laut wird, hält er sich die Ohren zu oder zieht sich zurück. Änderungen im Tagesablauf, wie eine Vertretungsstunde, verunsichern ihn stark und können dazu führen, dass er unruhig oder überfordert wirkt.
Obwohl Leon Schwierigkeiten im sozialen Umgang hat, ist er in bestimmten Bereichen sehr interessiert und kann sich dort lange konzentrieren – ein typisches Beispiel für kindlichen Autismus im Spektrum.
______________________________________________________
Mutismus
Mutismus ist eine Kommunikationsstörung, bei der betroffene Menschen in bestimmten Situationen oder gegenüber bestimmten Personen nicht sprechen, obwohl sie die Fähigkeit dazu haben. Häufig tritt dies zum Beispiel in der Schule, im Kindergarten oder bei fremden Personen auf, während sie in vertrauten Umgebungen (z. B. zu Hause) normal sprechen können.
Die Ursache liegt meist nicht an fehlenden Sprachkenntnissen, sondern an starker Angst, Unsicherheit oder innerer Blockade. Mutismus gehört deshalb zu den Angststörungen.
Man unterscheidet oft zwischen selektivem Mutismus (nur in bestimmten Situationen) und totalem Mutismus (in allen Situationen, sehr selten).
Wichtig ist: Betroffene sprechen nicht absichtlich nicht, sondern können es in dem Moment wirklich nicht.
Beispiel Mutismus:
Die 7-jährige Mia spricht zu Hause mit ihrer Familie ganz normal, lacht viel und erzählt von ihrem Tag. In der Schule hingegen sagt sie kein einziges Wort – weder zur Lehrerin noch zu ihren Mitschülern. Wenn sie etwas sagen soll, wird sie sehr angespannt, schaut weg und wirkt wie „eingefroren“. Statt zu sprechen, nickt oder schüttelt sie den Kopf.
Die Lehrerin merkt, dass Mia die Aufgaben versteht und gut mitarbeitet, aber ihre Antworten nie laut ausspricht. Bei Gruppenarbeiten beteiligt sie sich kaum, obwohl sie eigentlich Kontakt zu anderen Kindern möchte.
Dieses Verhalten zeigt sich über mehrere Monate hinweg und tritt vor allem in ungewohnten oder sozialen Situationen auf – ein typisches Beispiel für selektiven Mutismus.
Typische Anzeichen von Mutismus sind:
Wichtig: Die Kinder sind nicht „stur“ oder absichtlich still – sie erleben eine echte innere Hemmung.
______________________________________________________
Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS)
LRS steht für Lese-Rechtschreib-Schwäche (oder -Störung) und bezeichnet erhebliche Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens, ohne dass eine verminderte Intelligenz vorliegt. Betroffene zeigen Defizite im Leseverständnis, stockendes Lesen und eine hohe Fehlerzahl beim Schreiben. LRS ist oft mit einer Legasthenie gleichzusetzen oder eine vorübergehende Schwäche.
Symptome: Buchstaben werden ausgelassen, vertauscht oder hinzugefügt, sehr langsames Lesen, Probleme beim Silbentrennen.
______________________________________________________
Aphasie
Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, verursacht durch Schädigungen des Zentralnervensystems (ZNS), typischerweise im Sprachzentrum der dominanten Hirnhälfte. Sie beeinträchtigt Sprachproduktion, Sprachverständnis, Wortschatz, Grammatik und Satzbildung in unterschiedlichen Schweregraden. Häufigste Ursache ist ein Schlaganfall.
Ursachen: Häufig Schlaganfälle, aber auch Tumore, Hirnblutungen oder Entzündungen.
Beispiele für die verschiedenen Aphasieformen:
1. Broca-Aphasie (Motorische Aphasie)
2. Wernicke-Aphasie (Sensorische Aphasie)
3. Globale Aphasie (Schwerste Form)
4. Amnestische Aphasie (Leichte Form)
Zusammenfassende Symptome der Spontansprache:
_____________________________________________________
Sprechapraxie
Die Sprechapraxie ist eine neurogene Sprechstörung, bei der die Planung und Programmierung von Sprechbewegungen (Artikulation) gestört ist. Betroffene wissen, was sie sagen wollen, aber das Gehirn kann die motorischen Befehle für Zunge, Lippen und Kiefer nicht korrekt umsetzen. Typisch sind Artikulationsfehler, Suchbewegungen, veränderte Sprechmelodie (Prosodie) und hohe Sprechanstrengung. Sie tritt oft zusammen mit einer Aphasie (Sprachstörung) oder Dysarthrie auf.
______________________________________________________
Dysarthrie
Dysarthrie ist in der Logopädie eine motorisch bedingte Sprechstörung, bei der durch neurologische Schädigungen die Kontrolle von Atmung, Stimme und Artikulation beeinträchtigt ist und dadurch die Verständlichkeit des Sprechens leidet.
Beispiel:
Der Frau von Herrn P. Fällt auf, dass das Sprechen ihres Mannes immer langsamer, leiser und stockender wird. Es stellt sich heraus das Herr P. an M. Parkinson erkrankt ist.
______________________________________________________
Dysphagie
Dysphagie ist der medizinische Fachbegriff für eine Schluckstörung, die den Transport von Nahrung, Flüssigkeit oder Speichel von der Mundhöhle bis in den Magen beeinträchtigt. Grund hierfür sind meist neurologische Erkrankungen oder anatomische Veränderungen.
Beispiele für Anzeichen einer Schluckstörung (Dysphagie):
______________________________________________________
Stimmtherapie
In der Logopädie beschäftigt sich der Bereich Stimme mit der Diagnostik und Therapie von funktionalen und organischen Stimmstörungen (z. B. Heiserkeit oder Fehlbelastung, Stimmlippenlähmung, Stimmlippenknötchen etc), um eine gesunde, belastbare und klangvolle Stimme wiederherzustellen oder zu verbessern.
Beispiele:
Herr B. ist Lehrer - Nach 6 Stunden Unterricht bin ich heiser und kann kaum noch sprechen.
Frau W. hatte eine Schilddrüsenoperation - danach ist plötzlich die Stimme heiser und kaum belastbar. Es stellt sich raus, dass Sie eine Stimmlippenlähmung hat.
______________________________________________________
Fazialisparese
Eine Fazialisparese ist eine Gesichtslähmung, die auf Grund einer Lähmung des siebten Hirnnervs, des Nervus facialis vorliegt. Dies führt zu einer teilweisen oder vollständigen Bewegungsunfähigkeit der mimischen Gesichtsmuskulatur, meist auf einer Seite.
Definition und Symptome
Die Fazialisparese ist durch herabhängende Mundwinkel, inkompletten Lidschluss (Auge schließt nicht vollständig) und Unfähigkeit, die Stirn zu runzeln, gekennzeichnet. Sie kann plötzlich auftreten.
Hauptformen der Fazialisparese
Periphere Fazialisparese:
Definition: Der Nerv ist auf seinem Weg vom Gehirnstamm zur Muskulatur geschädigt.
Merkmale: Die gesamte Gesichtshälfte (Stirn und Mund) ist betroffen.
Idiopathische Fazialisparese (Bell’sche Lähmung):
Die häufigste Form, bei der die Ursache unklar ist, oft verbunden mit einer Nervenschwellung.
Symptomatische periphere Parese:
Verursacht durch äußere Faktoren wie Borreliose, Gürtelrose (Zoster oticus), Mittelohrentzündung oder Tumore.
Zentrale Fazialisparese:
Definition: Die Schädigung liegt im Gehirn, oberhalb des Facialis-Kerns (z. B. durch einen Schlaganfall).
Merkmale: Nur die untere Gesichtshälfte ist betroffen, die Stirn kann meist noch gerunzelt werden.
Weitere Unterteilungen:
Komplette vs. Inkomplette Parese: Gibt an, ob der Nerv vollständig oder nur teilweise funktionslos ist.
Einseitige vs. Doppelseitige (bilaterale) Parese: Meist ist nur eine Seite betroffen, in seltenen Fällen beide.
______________________________________________________
Neurologische Erkrankungen
Neurodegenerative Erkrankungen (wie Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose, ALS,...) führen zu einem schleichenden Verlust von Nervenzellen, was Symptome wie kognitiven Verfall (Gedächtnisverlust), motorische Störungen (Zittern, Steifheit, Gangstörungen), Sprach-/Schluckbeschwerden und Verhaltensänderungen verursacht. Diese Krankheiten sind meist fortschreitend und führen im fortgeschrittenen Stadium meist zu deutlichen Beeinträchtigungen im Alltag und zum Verlust der Selbstständigkeit.
Die Symptome, als auch die entsprechende Therapie erfolgen je nach Auffälligkeiten.
(frei nach - dbl-ev und DocCheck)
Die Logopädie behandelt Menschen jeden Alters mit Sprachstörungen, Sprechstörungen, Stimmstörungen, Hörstörungen und Schluckstörungen, die organisch oder funktionell verursacht werden. Dies umfasst Diagnose, Therapie (z.B. bei Stottern, Lispeln, Sprachverlust nach Schlaganfall, Stimmlippenlähmungen etc.) und Prävention, oft in enger Zusammenarbeit mit Ärzten und anderen Therapeuten. Ziel ist es die Kommunikationsfähigkeit und Lebensqualität zu verbessern.
(frei nach - dbl-ev und DocCheck)
In der Logopädie bieten wir Ihnen die
Diagnostik und Behandlung folgender
Fachbereiche an:
